Das Opernhaus der Zukunft ist schon Gegenwart

Eine Milonga auf der Opernbühne – das war wirklich „Oper für alle“

Als der Architektenwettbewerb für das neue Opernhaus der Landeshauptstadt Düsseldorf ausgeschrieben wurde, wünschte sich der Auslober einen Entwurf, der die Anforderungen eines internationalen A-Hauses erfüllt, daneben aber auch für die Öffentlichkeit, die keine Vorstellung besuchen will, attraktiv ist. Oberbürgermeister Dr. Keller sah in dem Siegerentwurf des norwegischen Büros Snøhetta Oslo AS diese Anforderungen als umgesetzt an: „Ein Haus der Begegnung, in dem viele Menschen zusammenkommen können, auch wenn sie nicht in den Opernbetrieb wollen, wenn sie nicht in die Vorstellung möchten. Es hat viele öffentlich zugängliche Flächen, es hat Gastronomie, es hat Terrassen, und wird damit mit Sicherheit zu einem ganz tollen und lebendigen Ort, eben das, was wir wollten: Oper für alle.“ (Quelle: YouTube)

Dass die Oper für alle auch im alten Opernhaus schon stattfinden kann, konnten wir am 26. Februar 2026 erleben, als Tangueros und Tangueras eingeladen waren, auf der Opernbühne, dem heiligen Ort, an dem sonst nur die Stars tanzen, Tango Argentino zu schwofen. Denn seit der Premiere von Piazollas Tangooper „Maria di Buenos Aires“ ist die Rheinoper im Tangofieber und die Tangoszene im Opernrausch. Da konnte der Joint Venture, der Operntango inklusive Workshop, Show und Livemusik, nur ein voller Erfolg werden. Maestro Mariano Chiacchiarini gab sich selbst die Ehre, der Tanz für ihn als Argentinier ein Heimspiel.

Gestern war die Oper für Milongueros, für wen ist sie morgen? Oper für alle jetzt schon – und bald im Opernhaus der Zukunft.

Stadt, Wandel, Zukunft: Die Rolle der Warenhäuser in der urbanen Transformation. – Zu diesem Thema lud RKW Architektur + Rhode Kellermann Wawrowsky GmbH im Rahmen der Reihe RKW. auf den Punkt am 14.11.2024 ins Hyatt Regency, Düsseldorf, ein.

Deren Senior-Partner Dipl.-Ing. Dieter Schmoll verdeutlichte, dass das Problem freigezogener, ja insolventer Warenhäuser, die nicht nur dem online-Handel, sondern überhaupt geändertem Nutzerverhalten zum Opfer gefallen sind, nicht nur für das Warenhaus selbst besteht. Die Gefahr von Geisterstädten und damit verbundener Verwahrlosung nebst Sicherheitsrisiken betrifft die Kommune selbst und damit die gesamte urbane Gemeinschaft. Das aber muss nicht so sein, wenn sich der Handel und die Kommunen gemeinsam um flexible, innovative Konzepte bemühen: Mit „The Crown“ ist es bereits jetzt gelungen, aus dem nicht mehr wirtschaftlichen Kaufhaus einen Frischemarkt nebst Gastronomieflächen zu schaffen, die auch abends geöffnet sind und für Leben und Aktivität an der Berliner Allee in Düsseldorf insgesamt sorgen. Und weitergehend sind Fitnesscenter, Seniorenwohnungen und sonstige flexible Nutzungen möglich und ausbaufähig.

Sarah Hoffmann, Head of Retail Investment, von Jones Lang LaSalle blickte aufmunternd und zuversichtlich auf den Immobilienstandort Deutschland, zumal der Stadt Düsseldorf, die für ausländisches Kapital nach wie vor interessant ist. Sie sah die Baisse von 2023 als überwunden an und hielt den Abschluss langfristiger Mietverträge und damit verbundener lukrativer Immobilienkaufpreise, durchaus gemessen am 30 fachen Jahresmietzins, für nicht übertrieben und durchaus möglich.

Dr. Kevin Meyer, Geschäftsführer der Midstad B.V, die das Immobilienvermögen der Cloppenburg-Familie hält, sieht die verwaisten Innenstädten durchaus als Folge des „Raubbaus“ der Immobilien- Investoren, die in der Vergangenheit nur an kurzfristigen Renditen interessiert waren und nunmehr auch in der Verantwortung stünden, Geisterstädte zu verhindern bzw. zu revitalisieren. Erforderlich ist gemäß Meyer eine empirische Forschung, die das Nutzerverhalten analysiert, Bedürfnisse kennt und versteht und passende Immobilien kreiert, notwendigerweise unter dem Aspekt der Finanzierbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Der Gruppe der sogenannten „Sophisticated Singles“, der 25 bis 35-Jährigen, die entscheidenden Einfluss auf die neue Generation und deren Marktverhalten haben, maß er eine besondere Bedeutung bei, zumal zu erkennen ist, dass diese Gruppe nach der Corona-Pandemie durchaus stadtflüchtig ist.

Die anschließende Diskussion, durch die Frau Dipl.-Ing. Barbara Possinke, moderierte, zwischen Podiumsteilnehmern und Publikum vertiefte die Thematik. Überdeutlich wurde, dass Handel und Kommunen nur gemeinsam die Problematik lösen können, Kreativität und Disziplin sind unabdingbar.